4. Prozesstag, Alexandra

Der vierte Verhandlungstag im Berufungsverfahren gegen Alexandra R. hat am 15. Juni 2010 stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr eine versuchte Brandstiftung an einem KFZ vor. Im November 2009 war sie nach 156 Tagen in Untersuchungshaft erstinstazlich freigesprochen worden. Es folgt eine Zusammenfassung des vierten Verhandlungstages, der bereits gegen Mittag zu Ende war.


Halterin des KFZ
Als erste Zeugin wurde die Halterin des geschädigten KFZ vernommen. Auch ihre Aussage ergab keine neuen Erkenntnisse, da sie nur wieder gab, was sie bereits im ersten Prozess geschildert hatte. An ihrem Auto sei kein Schaden entstanden. Von der versuchten Brandstiftung habe sie nur durch das Berliner Landeskriminalamt Kenntnis erlangt. Das Ordnungsgeld für das Nichterscheinen zum vorherigen Verhandlungstag wurde ihr erlassen und die Zeugin wurde unvereidigt entlassen.

Verkäufer des Spätverkaufs
Als zweiter Zeuge wurde der Verkäufer des Spätverkaufs geladen, in dem Alexandra in der Tatnacht festgenommen wurde. Er sagte aus, dass er die Angeklagte kenne, da sie des Öfteren in seinem Geschäft einkaufen war. Etwas ungewöhnliches am Verhalten von Alexandra sei ihm vor der Festnahme durch die Polizeibeamten Schulze und Lütz nicht aufgefallen. Der Zeuge wurde entlassen.

Richter der 1. Instanz
Als nächstes wurde Herr Lach geladen, Richter aus der ersten Instanz. Er begann seine Aussage mit der Wiedergabe des Tathergangs anhand der Aussagen von Polizeiobermeisterin Lütz und Polizeikomissar Schulze, wie sie ihn in der ersten Instanz geschildert hatten. Er zählte die Widersprüchlichkeiten ihrer Aussagen auf, die er damals als gewichtig empfunden hatte. So schilderte Lach, dass PK Schulze aussagt hatte, die Person, die er in der Nähe des Tatortes gesehen habe, sei eine männliche gewesen und daß Schulze auf Nachfrage nur widersprüchliche oder auch gar keine Angaben zu möglichen Wiedererkennungsmerkmalen machen konnte.

Ergebnisse der letzten Versuchsreihe
Anschließend wurden die Ergebnisse einer am dritten Verhandlungstag angeordneten Versuchsreihe vorgetragen. Das Berliner LKA war damit beauftragt worden, die Flüchtigkeit von Kohlenwasserstoffen, wie sie in Grillanzündern vorkommen, an „verschmutzten Händen“ zu untersuchen. Dazu waren drei Versuchspersonen Grillanzünder in die Hand gegeben worden. Eine Stunde nach dem Kontakt wurden ihren Händen Papiertüten übergezogen, so wie die Beamten Schulze und Lütz bei Alexandra kurz nach der Festnahme verfuhren. Anschließend wurden von den Händen die Abstriche gemacht. Die Abbstriche ergaben zwar, dass nicht bei allen Probanden Rückstände von Kohlenwasserstoffen nachweisbar waren, allerdings bei allen noch immer ein intensiver Geruch vorhanden war. Laut allen bisher vernommenden Polizeibeamten, die mit ihr nach der Festnahme Kontakt hatten, war dies bei Alexandra jedoch nicht der Fall.

Persönliche Daten ohne Tatrelevanz
Zuletzt wurden auf Drängen der Staatsanwaltschaft ICQ-Chatprotokolle der Angeklagten verlesen, die sich inhaltlich unter anderem um eine Demonstration drehten. Letztenendes befand das Gericht jedoch, dass sich auch daraus nichts tatrelevantes ableiten ließe. Die Beweisaufnahme im aktuellen Prozess am Landgericht gilt damit als abgeschlossen. Am kommenden Prozesstermin, dem 29. Juni 2010, werden ab 9 Uhr in Saal 700 die Plädoyers und das Urteil verkündet. Ein Freispruch scheint unvermeidbar.

Engarde-Soligruppe